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BASF Visual - Stationen ihrer Geschichte

Vom Neubeginn und Wirtschaftswunder bis ins Kunststoff-Zeitalter

Flüchtlingsströme, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit kennzeichnen die Nachkriegsjahre. Innenstädte, Wohngebiete und Industrieanlagen liegen zum größten Teil in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau unter alliierter Kontrolle ist schwierig und geht nur langsam voran. Produktionsanlagen werden demontiert, und die Siegermächte, vor allem die Sowjetunion und Frankreich, entnehmen Erzeugnisse aus laufender Produktion, um ihre Reparationsansprüche zu befriedigen.

Im Mai 1945 bringen 800 Mann Belegschaft auf dem Gelände der BASF die ersten Fabrikationen wieder zum Anfahren. Produktionsgenehmigungen der französischen Sequesterverwaltung sind erforderlich, die Zuteilungen von Roh- und Brennstoffen oft mehr als knapp. Schließlich verfügt im November des gleichen Jahres der alliierte Kontrollrat die Auflösung der I.G. Farben. Nach langjährigen Verhandlungen um die Entflechtung der I.G. Farben wird die Badische Anilin - & Soda-Fabrik AG im Jahr 1952 als eine der drei Nachfolgegesellschaften der I.G. Farben neu gegründet.

Schnell soll der Verkauf wieder aufgebaut und die Fabrikation erweitert werden. Die BASF beschließt den Bau eines neuen Bürogebäudes. Es ist das erste deutsche Hochhaus mit über 100 Metern Höhe - ein weithin sichtbares Zeichen des Neubeginns.

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 bereitet die erste Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer die Rückkehr Deutschlands in die westeuropäische Wertegemeinschaft vor. Die Übereinstimmung der Deutschen mit ihrem neuen Staat geht einher mit einem Wirtschaftsboom. Wie kein anderer gilt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard als Vater des "Wirtschaftswunders". Mit Einführung der D-Mark erklärt er die Planwirtschaft für beendet und bringt die soziale Marktwirtschaft auf den Weg. So kann die westdeutsche Wirtschaft, gestärkt durch Währungsreform und Marshall-Plan, zehn Jahre nach Kriegsende wieder auf eigenen Füßen stehen. Die Wachstumsrate erreicht im Jahr 1955 den Höchststand von 11,7 Prozent.

Alles überragend ist in den 1950er und 1960er Jahren das Wachstum auf dem Kunststoffsektor. Allein in den Jahren 1953 bis 1959 steigt die jährliche Kunststofferzeugung in der Bundesrepublik Deutschland um mehr als das Dreifache. Die BASF kann, gestützt auf die Forschungsergebnisse aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, an dieser Entwicklung in führender Position teilhaben. Perlon und Nylon, bereits vor dem Krieg entdeckte Polyamid-Kunstfasern, sind Verkaufsschlager der 1950er Jahre. Eine ähnliche Entwicklung nimmt Polyethylen. Mit dem Einsatz von Polyethylen-Folien für Verpackungszwecke beginnt eine Entwicklung, die auch die gesamte Produktionsweise der chemischen Industrie von Grund auf verändert. Der Rohstoff Ethylen ist in genügender Menge und kostengünstig nur aus Erdöl und Erdgas zu gewinnen: Das Zeitalter der Petrochemie beginnt. Mit der Produktion von Styropor, das 1951 aus Polystyrol entwickelt wird und den Weltmarkt erobert, öffnet sich die BASF ab Ende der 1950er Jahre den Weg für erste Produktionsstätten im Ausland.




Foto: Fluss mit Südspitze des Werkes im Hintergrund
Die Südspitze des Werkes nach dem Wiederaufbau


Die Werke Ludwigshafen und Oppau liegen 1945 in Schutt und Asche. 65 Luftangriffe, bei denen über 40.000 Bomben auf das Werksgelände niedergegangen sind, haben im Laufe des Krieges ein Drittel der Fabrikanlagen völlig zerstört, den Rest schwer beschädigt. Hungernde, frierende und vom Krieg gezeichnete Menschen beginnen, das Werk neu aufzubauen. Nach und nach werden Gebäude wieder aufgebaut, laufen Produktionen wieder an.

Die ersten Betriebsratswahlen nach dem Krieg finden 1947 statt. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Vertretung der Arbeitnehmer und der Unternehmensleitung gerade auch in den Jahren des Wiederaufbaus führt zu einer Reihe von sozialpolitischen Regelungen, die 1955 in einer ersten Betriebsvereinbarung zusammengefasst werden.

Carl Wurster (1900-1974, Vorstandsvorsitzender von 1952 bis 1965), Bericht über die Neugründung der BASF von 1953: "Die Jahre des Wiederaufbaus vom März 1945 bis zur Währungsreform am 21. Juni 1948 sind wohl die schwersten Jahre in der Geschichte der BASF gewesen. Das dabei Erreichte wäre undenkbar ohne die hingebungsvolle Mitarbeit der gesamten Belegschaft, die unter schwierigen Bedingungen bei völlig unzureichender Ernährung treu ihre schwere Pflicht erfüllte."

Die BASF beschäftigt 1948 bereits wieder 21.951 Mitarbeiter.

Die schwere Explosion eines Kesselwagens im Werksteil Süd fordert über 200 Menschenleben und zerstört viele gerade neu errichtete Gebäude.


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Foto: U46-Unkrautmittel-Plakat
Ein neues Arbeitsgebiet wird 1949 erschlossen: Nach dreijähriger Prüfung durch die Landwirtschaftliche Versuchsstation kommt das Unkrautbekämpfungsmittel "U46" auf den Markt. Als selektives Herbizid wird U46 hauptsächlich im Getreideanbau eingesetzt.

Ein Kunststoff wird 1951 entdeckt, der den Weltmarkt erobern soll: Styropor. Der weiße Hartschaum besteht zu 98 Prozent aus Luft und fesselt deren wichtige Eigenschaft: die hohe Isolierfähigkeit. Bauingenieure und Verpackungstechniker sind gleichermaßen begeistert. Der Rohstoff, aus dem die Schäume sind, wird als Dach-, Wand- und Deckenisolierung ebenso gern eingesetzt wie als Verpackungsmaterial für zerbrechliches Porzellan oder Tiefkühllebensmittel.

Nach langen Entflechtungsverhandlungen wird am 30. Januar 1952 die Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG als eine der drei Nachfolgegesellschaften der I.G. Farben gegründet. Obwohl sich der Firmensitz schon seit 1919 nicht mehr im badischen Mannheim befindet, wird der traditionelle Firmenname wieder angenommen und auch noch lange gelten. Erst 1973 beschließt die Hauptversammlung eine Modernisierung des Firmennamens in "BASF Aktiengesellschaft".

Es gilt aber auch, eine neue Firmenphilosophie zu finden. Lange war Ludwigshafen innerhalb des I.G. Farben-Verbunds hauptsächlich Lieferant von Grundprodukten und Hersteller von Hochdruckapparaten gewesen. Die fehlende Verwaltung muss aufgebaut werden, Arbeitsgebiete müssen umstrukturiert, erweitert und neu erschlossen werden. Und schließlich soll auch der Anschluss an den Weltmarkt gefunden werden.


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Geschäftsbericht 1952: "Der Wiederaufbau des Ludwigshafener Werkes hat im Geschäftsjahr 1952 weiterhin große Fortschritte gemacht und nähert sich in den wichtigsten Teilen seinem Abschluß. Der Wiederaufbau wurde nach einem auf weite Sicht angelegten Plan durchgeführt und ermöglichte zugleich eine grundlegende Modernisierung, die sich in den folgenden Jahren sowohl in einem erhöhten Produktionsvolumen wie in sinkenden Produktionskosten ausdrücken wird."

Gemeinsam mit der Deutschen Shell AG wird 1953 in Wesseling - am Rhein zwischen Bonn und Köln gelegen - die Rheinische Olefinwerke GmbH (ROW) gegründet, die erste deutsche petrochemische Produktionsanlage. Das Unternehmen produziert vor allem den Kunststoff Polyethylen, der bei der BASF Lupolen heißt. Erdöl verdrängt die Kohle als Rohstoff für Chemiesynthesen. Kohlenwasserstoffe aus Öl haben ihre Vorzüge bewiesen. Fortan veredeln die Chemiker Öl, Ölderivate und Erdgas. Ein neues Zeitalter der Chemie hat auch in Deutschland begonnen: die Petrochemie.

Geschäftsbericht 1954: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, uns in naher Zukunft auch an gewissen fabrikatorischen Projekten im Ausland zu beteiligen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten, wobei wir davon ausgehen, daß derartige Maßnahmen auf weite Sicht auch unserem Auslandsgeschäft zugute kommen werden."


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Die BASF erwirbt 1955 neue Erholungsstätten für ihre Mitarbeiter. Neben den ursprünglichen Erholungsheimen in der engeren Umgebung stehen nun auch Häuser in Breitnau, Schwarzwald, und Westerland, Sylt, zur Verfügung.

Die Synthese von Hydroxylamin durch katalytische Hydrierung von Stickoxid mit Wasserstoff erschließt 1956 einen wirtschaftlichen Herstellungsweg für Caprolactam, das Vorprodukt für Polyamid-Synthesefasern. Strümpfe aus diesem Material werden erschwinglich. Technische Kunststoffe mit überraschenden Eigenschaften werden ermöglicht. Das Ultramid-Sortiment beispielsweise zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Schmelztemperaturen aus und wird für verschiedenste Bauteile und Maschinenelemente als hochwertiger elektrischer Isolierstoff verwendet.


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Foto: das Friedrich-Engelhorn-Haus der BASF
Einst das höchste Haus im Land: das Friedrich-Engelhorn- Haus der BASF
Als deutliches Zeichen des Wiederaufbaus und eines Neubeginns hat die BASF ein Bürohochhaus von 102 Metern Höhe errichtet. In Deutschland ist 1957 das Friedrich-Engelhorn-Haus der erste Hochhausbau mit einer Stahlbetonkonstruktion. Außergewöhnlich ist das schlichte Erscheinungsbild. Die Fassade besteht aus elf Millionen Glas-mosaiksteinchen. Im März bezieht die Verkaufsorganisation das Friedrich-Engelhorn-Haus. "Die Arbeitsbedingungen sind angenehm, der Betrieb sparsam und die Organisation bei kleinen Wegen übersichtlich", heißt es im Geschäftsbericht. Das BASF-Hochhaus wird zum Wahrzeichen der Stadt Ludwigshafen. 1996 wird die Fassade durch ein Kleid aus Aluminium und Glas ersetzt.

Zum ersten Mal nach dem Krieg beginnt die BASF 1958 mit dem Aufbau von Fabrikationen außerhalb Deutschlands und erschließt durch Gründung von Joint-Ventures die Märkte. Die BASF und die Dow Chemical Company gründen in Freeport, Texas, gemeinsam die Dow Badische Chemical Company. Produziert werden Grundchemikalien und Faservorprodukte, später kommen Fasern hinzu. Das Joint-Venture, aus dem Dow 20 Jahre später ausscheidet, bildet die Keimzelle für die heutigen US-Aktivitäten der BASF. In Frankreich gründet die BASF zusammen mit französischen Partnern die Dispersions Plastiques S.A. zur Herstellung von Styropor und Kunststoffdispersionen auf der Basis von Acrylsäureestern. In Argentinien nimmt die gemeinsam mit argentinischen Firmen gegründete Sulfisud S.A. die Herstellung von Färberei-Hilfsmitteln wie Hydrosulfit oder Rongalit auf. Auch heute ist die BASF in Frankreich und Argentinien mit eigenen Gruppengesellschaften vertreten.

Die BASF-Aktie wird Ende 1959 an der Pariser Börse und Anfang 1960 an den drei Schweizer Börsen Zürich, Basel und Genf eingeführt.

Die BASF in Brasilien: In Guaratinguetá nimmt die 1955 zusammen mit brasilianischen Partnern gegründete Firma Idrongal die Produktion von Kunststoffdispersionen, Styropor und Textilhilfsmitteln auf. Mit zwölf Produktionsanlagen, die über 750 verschiedene Produkte mit einer Kapazität von insgesamt 260.000 Tonnen im Jahr herstellen, ist Guaratinguetá heute der größte Standort der BASF in Südamerika.


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Foto: Textilfabrik mit Menschen
Blick in die Färberei der Anwendungstechnischen Abteilung/Textil
 
Die BASF ergänzt 1960 ihre Farbstoffpalette und folgt damit der Entwicklung bei den Textilfasern. Zu den Farbstoffen für Wolle und Baumwolle kommen Sortimente hinzu, mit denen sich vollsynthetische Fasern färben lassen: Palanil und Basacryl. Und die Entwicklung geht weiter: Sechs Jahre später gibt es die ersten Cottestren-Farbstoffe, mit denen sich Mischgewebe aus Baumwolle- und Polyesterfasern färben lassen. 1978 wird das Sortiment erweitert mit Farbstoffen, die sich zum Bedrucken solcher Mischgewebe eignen.

Das stürmische Wachstum im Zeitalter des deutschen Wirtschaftswunders hat den Arbeitsmarkt leergefegt. Die Anwerbung von Gastarbeitern beginnt. Im EG-Land Italien richtet die Bundesanstalt für Arbeit 1960 die erste Vermittlungskommission ein. Im gleichen Jahr kommen die ersten italienischen Mitarbeiter auch zur BASF. Spanier, Griechen Jugoslawen und Türken folgen, aber auch Deutsch-Brasilianer und Vietnam-Flüchtlinge. Heute sind in der BASF Aktiengesellschaft rund 2.300 ausländische Arbeitnehmer aus 79 Ländern beschäftigt.

Mit Floranid wird 1961 der erste synthetisch-organische Langzeitdünger auf den Markt gebracht.

Die Forschungslaboratorien werden 1962 neu gegliedert. Kunststoff- und Farbenlaboratorium stehen jetzt als selbstständige Einrichtungen neben den beiden traditionsreichen Forschungsstätten, dem Hauptlaboratorium und dem Ammoniaklaboratorium. Dadurch können große Arbeitsgebiete organisatorisch enger zusammengefasst werden. Zugleich wird die Verbindung der Forschung zu Produktionsabteilungen und anwendungstechnischen Stellen vertieft.

In Japan nimmt 1963 die Yuka Badische Company Ltd. die Produktion von Styropor auf. Sie ist wegen der schwierigen Anforderungen, die der japanische Markt an ausländische Unternehmen stellt, eine Gemeinschaftsanlage mit einem japanischen Partner. Auf dieser Basis entwickeln sich auch die weiteren Aktivitäten der BASF in Japan; erst 1988 nimmt eine eigene Anlage die Produktion von Hilfsmitteln auf. Heute erzielt die BASF insgesamt rund 37 Prozent des Landesumsatzes mit Produkten, die in Japan hergestellt werden.


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BASF Antwerpen 1968 und heute
BASF Antwerpen 1968 und heute

Die BASF am Rhein bekommt 1964 ein Zweigwerk am Meer: Die BASF Antwerpen wird gegründet. In kurzer Zeit entwickelt sie sich zum zweitgrößten europäischen Standort der BASF. Der günstige Zugang zu den Rohstoffquellen und die gute Logistik zu den Kunden in Übersee fördert diese Entwicklung. Produziert werden Düngemittel, Faservorprodukte, Kunststoffe und Chemikalien.

Ein neuartiges, selektiv wirkendes Mittel zur Bekämpfung von Unkraut in Rüben kommt 1964 unter der Bezeichnung Pyramin in den Handel.

"Wissenschaftliche Aufklärung chemischer und physikalischer Prozesse, Vorausberechnung technischer Anlagen, Ermittlung optimaler Fahrweisen chemischer Prozesse, Durchführung schneller kaufmännischer Abrechnungen und administrativer Aufgaben, Datenverarbeitung für die Dokumentation" - so werden bei der Einweihung des ersten Rechenzentrums der BASF die neuen Aufgaben der Lochkartenstelle beschrieben. Und auch die Technik ist neu: Die letzten Tabelliermaschinen werden ersetzt durch elektronische Großrechner.

Neue Wege im Umweltschutz: Nach langen Versuchen mit verschiedenen Ofentypen werden die ersten beiden Drehrohröfen zur Verbrennung von Rückständen aus der chemischen Produktion in Betrieb genommen. Heute sind es insgesamt acht Öfen, die einen wichtigen Bestandteil des Entsorgungskonzeptes der BASF darstellen.


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