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Nach dem Ersten Weltkrieg ist die Situation im Deutschen Reich für die Bevölkerung beängstigend: Der Kaiser ist abgetreten und die wirtschaftliche Lage desolat. Reparationszahlungen, Demontage, Kohlemangel und Inflation verhindern eine wirtschaftliche Erholung. Durch das Dawes-Abkommen wird die Währung 1924 stabilisiert und der Reparationskonflikt geregelt. Die Wirtschaft erholt sich und tätigt neue Investitionen in großem Umfang mit ausländischem Kapital. Trotzdem ist die Blütezeit der "Goldenen Zwanziger" nur kurz. Der vor allem während des Ersten Weltkrieges beschleunigte Konzentrationsprozess in der Wirtschaft hält derweil an. So fusioniert auch die BASF 1925 mit fünf weiteren Firmen, darunter Hoechst und Bayer, zur "Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft" (I.G. Farben).
Nach dem New Yorker Börsenkrach löst der plötzliche und massive Abzug ausländischer Geldmittel 1929 auch in Deutschland eine schwere Wirtschaftskrise aus, die das politische Gefüge der jungen Weimarer Republik erschüttert. Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not werden zum Nährboden für den Nationalsozialismus. 1933 ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg trotz größter Bedenken Adolf Hitler zum Reichskanzler und stimmt dessen Forderung nach einer Auflösung des Reichstages zu. Schon vor Hitlers Machtantritt kommt es zu einer wirtschaftlichen Belebung. Nach 1933 profitiert die Wirtschaft vor allem von der starken Ausweitung der öffentlichen Haushalte, die einen regelrechten Boom auslöst. Die größten Wachstumsraten erreichen die Baubranche, der Fahrzeugbau, die metallverarbeitende und die chemische Industrie.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Motorisierung beschäftigen sich chemische Wissenschaft und Industrie in der Zwischenkriegszeit mit der Kohlehydrierung, weil nach Einschätzung amerikanischer Experten die weltweiten Erdölreserven in absehbarer Zeit zur Neige gehen sollen. Außerdem sucht man mit Hilfe neuer Hochdrucktechnologien nach Synthesen für Naturprodukte, um diese künftig künstlich herstellen zu können (z. B. Harnstoff, Methanol, Benzin, Kautschuk). Entwickelt werden auch Lackrohstoffe und Lacke. Außerdem sind die Arbeiten auf dem Gebiet der Acetylenchemie wegweisend für die Entwicklung von Kunststoffen.
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 erzwingt auch bei der I.G. Farben die Umstellung auf Kriegsproduktion. Die neuen Syntheseprodukte, besonders Stickstoff, Gummi und Benzin, erlangen in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung. Im Krieg wird das Werksgelände in Ludwigshafen heftig bombardiert. Das Ausmaß der Zerstörung bei Kriegsende im Jahr 1945 ist enorm: Von 1.470 Fabrikgebäuden sind 33 Prozent völlig zerstört, 61 Prozent teilbeschädigt und nur sechs Prozent unversehrt. Weit über 400.000 Kubikmeter Schutt bedecken das Fabrikgelände.

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| Entscheidende Sitzung bei den Verhandlungen der Chemiefirmen: Der „Rat der Götter “ beschließt die Fusion zur I.G.Farben. |

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Andauernde politische Unruhen, Reparationsverpflichtungen und Demontagen, Kohlemangel und Transportprobleme, die französische Besetzung des linken Rheinufers und die Errichtung einer Zollgrenze am Rhein verhindern die wirtschaftliche Erholung. Vertreter der chemischen Großindustrie nehmen Gespräche miteinander auf, um die bereits seit 1916 bestehende lockere Zusammenarbeit zu intensivieren. Die notwendige Rationalisierung von Fabrikation und Verkauf soll gemeinsam durchgeführt werden. 1925 ist die Fusion der BASF mit fünf weiteren Firmen (darunter Hoechst und Bayer) zur "Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft" (I.G. Farben) beschlossene Sache. Zum Ende des Geschäftsjahres 1925 geht die Badische Anilin- & Soda-Fabrik in der I.G. Farben auf. Der Sitz der Gesellschaft wird nach Frankfurt verlegt. Die Werke Ludwigshafen und Oppau bilden den wesentlichen Teil der Betriebsgemeinschaft Oberrhein, eine der ursprünglich vier Betriebsgemeinschaften innerhalb der I.G. Farben.

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Beim Reichspatentamt wird 1926 das Warenzeichen Nitrophoska eingetragen. Die Wortbestandteile weisen auf die drei wichtigsten Hauptnährstoffe für Pflanzen hin: Stickstoff (Nitrogenium), Phosphat und Kali. Der Dünger stellt etwas völlig Neues dar, liegt doch die Nährstoffkonzentration zwei- bis dreimal höher als bei den bislang bekannten Mischdüngern.
Ein Jahr später kommt Nitrophoska auf den Markt. Es löst die bisherigen Probleme beim Mischen der verschiedenen synthetischen Dünger unterschiedlicher Herkunft, denn jedes Düngerkorn ist homogen zusammengesetzt.
Benzin aus Kohle: Friedrich Bergius war es bereits 1913 gelungen, aus Steinkohle unter hohem Druck und durch Einwirkung von Wasserstoff flüssige Reaktionsprodukte zu erhalten. Der BASF-Chemiker Matthias Pier greift diesen Gedanken auf und gelangt in kurzer Zeit zur großtechnischen Ausführung. Ende 1927 verlässt der erste Kesselwagen mit Autobenzin aus Kohle die Leuna-Werke.

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| Walter Reppe erläutert den Syntheseweg von Polyvinylpyrrolidon. |
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Unter Walter Reppe (1892-1969, Chemiker, Vorstandsmitglied der BASF von 1952 bis 1957) beginnen 1928 die Untersuchungen über katalytische Reaktionen des Acetylens unter Druck. Diese Arbeiten, als "Reppe-Chemie" bekannt geworden, ermöglichen den Aufbau zahlreicher organischer Verbindungen und Zwischenprodukte aus einfachen Bausteinen durch Reaktionen wie beispielsweise technische Vinylierung, Ethinylierung, Carbonylierung und Cyclisierung. Die Acetylenchemie ist darüber hinaus eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung der Kunststoffe.
Im strengen Winter 1928/29 bringt die I.G. Farben das erste Frostschutzmittel für Automobile, Glysantin, auf den Markt. Gegenüber den bis dahin verwendeten Zusatzstoffen – allesamt nur Notlösungen – hat es entscheidende Vorteile: Siedepunkt bei 197 Grad Celsius, Korrosionsschutz, keine Entmischung, praktisch keine Verdunstung und eine für Mitteleuropa ausreichende Gefrierpunktabsenkung bis minus 25 Grad Celsius.
Mit der Styrolsynthese im Werk Ludwigshafen bricht 1929 die Ära der Kunststoffe an. In den folgenden Jahren beginnen in Ludwigshafen und Oppau, wo bereits 24.442 Mitarbeiter beschäftigt sind, auf breiter Basis die Arbeiten auf dem neuen Gebiet von Chemie und Physik: der Polymere. Eine Reihe dieser Verbindungen wird für die großtechnische Kunststoffproduktion erschlossen: polymere Acrylverbindungen (1929), Polystyrol (1930), Polyvinylchlorid (1931), Polyisobutylen (1931), Polyvinylether (1934), Polyethylen (1937).
Die Synthesen von Methanol und Harnstoff ermöglichen den Einstieg in die Chemie der Harnstoff-Formaldehyd-Kondensationsprodukte. 1931 wird der auf den Grundstoffen Harnstoff und Formaldehyd basierende Kaurit-Leim in den Handel gebracht. Er erlangt für die holzverarbeitende Industrie und das Holzhandwerk – gerade auch unter dem Aspekt der Ressourcenschonung – große Bedeutung. Vor allem das Sperrholz, bislang nur Abfallprodukt, wird zu einem hochwertigen Werkstoff mit vielen neuen Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Die technisch einwandfreie Herstellung der Spanplatte wird so ermöglicht.

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| Nobelpreis-Urkunde für die Entwicklung der Hochdrucktechnik |
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Carl Bosch und Friedrich Bergius erhalten den Nobelpreis für die Entwicklung der Hochdrucktechnik bei der Ammoniaksynthese und der Kohlehydrierung.
Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. In den folgenden Monaten werden die einzelnen Betriebe zunächst in sozialpolitischen und "weltanschaulichen" Bereichen der Kontrolle der Partei unterworfen; der Nationalsozialismus prägt den Alltag im Betrieb auch in Ludwigshafen und Oppau. Die Werkbücherei wird "gesäubert", die Werkszeitung umgestaltet, und am 1. Mai nehmen alle Beschäftigten an den Umzügen teil. "Betriebsappelle" mit militärischem Zeremoniell sind an der Tagesordnung. Nach dem Verbot der Gewerkschaften sind Arbeitgeber ("Führer des Betriebes") und Arbeitnehmer ("Gefolgschaft") gemeinsam in der "Deutschen Arbeitsfront" organisiert. Damit beginnt eine Entwicklung, die in den folgenden Jahren auch die I.G. Farben in Verstrickungen mit dem NS-System geraten lässt.
Eine bahnbrechende neue Entwicklung gelingt den Forschern im Werk Ludwigshafen: das Magnetophonband. Das Know-how aus verschiedenen Arbeitsgebieten verbindet sich auf ideale Weise: Seit 1924 wird in Ludwigshafen feinteiliges Carbonyleisenpulver für die Induktionsspulen von Fernsprechleitungen hergestellt. Aus der Farbenproduktion stammt die Erfahrung zur Herstellung außerordentlich feiner Dispersionen, und schließlich bietet sich im neuen Kunststoffbereich die Entwicklung von Folien als Träger an.
Im Jahr 1932 hatten die AEG und die I.G. Farben eine Zusammenarbeit zur Herstellung eines "Magnetophons" beschlossen. 1934 werden die ersten 50.000 Meter Band ausgeliefert. Ein Jahr später stellt man die ersten Geräte auf der Funkausstellung in Berlin der Öffentlichkeit vor. 1936 gibt es im Feierabendhaus eine Premiere der besonderen Art: die Aufzeichnung eines ganzen Konzerts auf Magnetband. Sir Thomas Beecham dirigiert die Londoner Philharmoniker.

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| Sensation auf der Berliner Funkausstellung 1935: das von der AEG entwickelte Magnetophon mit dem neuen Magnetband aus Ludwigshafen |
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Die seit zehn Jahren intensiv betriebenen Forschungen über synthetischen Kautschuk führen zum Erfolg. "Buna" kann mit seinen Eigenschaften den Naturkautschuk ersetzen. 1936 werden auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin die ersten Buna-Reifen vorgestellt. Im gleichen Jahr wird der Grundstein für die erste Buna-Fabrik der I.G. Farben in Schkopau im Kreis Merseburg gelegt.
Auf der Weltausstellung in Paris erhält die I.G. Farben 1937 neun "Grands Prix" für ihre Produkte und Verfahren. Darunter sind Kohleverflüssigung, Buna und Indanthren.
1939 wird eines der interessantesten Folgeprodukte der Acetylenchemie zum Patent angemeldet: das Polyvinylpyrrolidon (PVP). Es wird zuerst als Blutplasmaersatz eingesetzt und dient später in den verschiedensten Anwendungen in Medizin, Pharmazie, Kosmetik und technischer Industrie.
Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 erzwingt die Umstellung auf die Kriegswirtschaft. In dieses Autarkie- und Zwangssystem ist auch die I.G. Farben mit ihren synthetischen Produkten, besonders Stickstoff, Gummi und Benzin, eingebunden. In den Kriegsjahren wird ein erheblicher Teil der männlichen Werksangehörigen eingezogen. An ihre Stelle treten dienstverpflichtete Frauen, Kriegsgefangene und vom NS-Regime insbesondere aus den besetzten osteuropäischen Gebieten nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter. In dem 1940 vom Oberkommando der Wehrmacht in Auftrag gegebenen Buna-Werk der I.G. Farben in Auschwitz werden darüber hinaus KZ-Häftlinge eingesetzt.

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Kriegszeiten im Jahr 1940: Der Tag, an dem das 75-jährige Bestehen der Firma gefeiert werden soll, wird zum normalen Arbeitstag. Der seit langem geplante, große Festakt fällt aus. Duplizität der Ereignisse: Auch das 50-jährige Bestehen hatte im Kriegsjahr 1915 nicht gefeiert werden können. Im Juni beginnen die ersten Luftangriffe auf die Werke Ludwigshafen und Oppau durch alliierte Bomber. Noch bleiben die Angriffe ohne gravierende Auswirkungen auf die Produktion.
Im Werk Ludwigshafen werden die ersten 20 Tonnen Polyamid auf der Basis von Caprolactam erzeugt: Neue Wege für die Herstellung von Fasern (Nylon und Perlon) und Werkstoffen eröffnen sich.
Zur kontinuierlichen Produktion von Hochdruck-Polyethylen (Lupolen) entwickeln Ludwigshafener Ingenieure ein neuartiges Hochdruck-Rohrschlangensystem.
Eine Großanlage für die Herstellung von Butindiol aus Acetylen und Formaldehyd nach einem von Walter Reppe entwickelten Dreistufenverfahren wird 1941 gebaut: die dritte Buna-Anlage der I.G. Farben. Sie verbindet die bislang auseinander liegenden Werke Ludwigshafen und Oppau. Die Buna-Anlage macht den Bau eines dritten Kraftwerks notwendig: Das kohlebetriebene Kraftwerk Mitte entsteht. Es versorgt das Werk bis 1999 mit Dampf und Strom.
In den Jahren 1943/44 kommt es zu massiven Luftangriffen. Immer mehr Anlagen werden getroffen, die Produktion nimmt ab Mitte 1944 drastisch ab und kommt Ende 1944 fast zum Erliegen.
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| Die Werke Ludwigshafen und Oppau im Jahr 1939 |

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