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07.11.2000: Ökoeffizienz und Ökoeffizienzanalyse von Polystyrol-Hartschaumstoffen


Ökoeffizienz



von Holger Wallbaum (Dr. Christa Liedtke, Angela Schilde)

AG Ökoeffizienz & Zukunftsfähige Unternehmen
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal


Kurz gesagt bedeutet Ökoeffizienz: Mehr Werte schaffen und dabei weniger Ressourcen verbrauchen und die Umwelt belasten. Also: Mit weniger mehr erreichen!

Ökoeffizienzstrategien und -konzepte sorgen dafür, dass der wirtschaftliche Wert eines Produktes oder eines Unternehmens bei gleichzeitiger Minimierung des Ressourcenverbrauchs und negativer Umwelteinflüsse maximiert wird.

Je weniger Ressourcen für die gleiche Leistung, den gleichen Kundennutzen eingesetzt werden, desto weniger muss bezahlt werden
  • für den Einkauf dieser Ressourcen,

  • für die Prozessführung,

  • für die Entsorgung.
Die Produktlinien und die zugehörigen Produktionsprozesse werden dabei lebenszyklusweit, d. h. von der Wiege bis zur Bahre, optimiert. Der von Stephan Schmidheiny 1990 gegründete Business Council for Sustainable Development (heute bekannt als World Business Council for Sustainable Development - WBCSD) befasst sich insbesondere mit der Frage, was nachhaltige Entwicklung für ein einzelnes Unternehmen bedeutet und wie diese auf der Mikro-Ebene (also der Ebene der Unternehmen) umgesetzt werden kann. Der WBCSD definiert Ökoeffizienz als die "zunehmende Produktion von nützlichen Gütern und Dienstleistungen bei laufend abnehmendem Verbrauch von natürlichen Ressourcen, also Rohmaterialien und Energie" (vgl. Bosshardt 1999). Bei den meisten Ökoeffizienz-Konzepten (Schmidt-Bleek 1993, Fussler 1996, Liedtke 1997, BASF 1999, Factor 10 Innovation network 1999, Wirth 1999) werden die folgenden Ziele mit messbaren Indikatoren versehen und ins Management mit einbezogen:
  • Minimierung der Materialintensität von Produkten und Dienstleistungen,

  • Minimierung der Energieintensität von Produkten und Dienstleistungen,

  • Minimierung von toxischen Einwirkungen,

  • Steigerung der Recyclingfähigkeit von Produkten,

  • Maximierung des Gebrauchs erneuerbarer Ressourcen,

  • Erhöhung der Haltbarkeit von Produkten,

  • Steigerung des Gebrauchswertes von Produkten und Dienstleistungen (vgl. OECD 1998).
Schmidt-Bleek, Factor 10-Instituteleiter und ehemaliger Vizepräsident des Wuppertal Institutes, definierte bereits 1992 Indikatoren, die es ermöglichen, Ressourcenproduktivität von Wirtschaftsräumen, Produktlinien, Prozessen, Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen zu messen. Dabei werden die ökonomischen und ökologischen Kennwerte innerhalb eines betrieblichen Informationssystems aufgearbeitet, bewertet und für Entscheidungen zur Verfügung gestellt (Orbach et al. 1998, IÖW 1999, Schmidt-Bleek 1999, Wirth 1999).

Kostenreduktionen können durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden, sei es durch
  • die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs,

  • die Verbesserung der Ressourceneffizienz,

  • die Reduzierung von Emissionen und Abfällen und/oder deren notwendige Behandlung oder

  • die Konzeption innovativer Produkt- und Dienstleistungskonzepte, die neue Marktsegmente besetzen.
Auch bezüglich der Umsetzung und Implementierung von Effizienz-Steigerungen in das unternehmerische Handeln gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte. Neben der Optimierung bestehender Produkte, Produktionsprozesse und -anlagen sowie der Produktionsstandorte gilt auch das Benchmarking als geeignete Möglichkeit der Effizienz-Steigerung (vgl. BMG, Internet). Ökoeffizienzkonzepte begleiten Unternehmen im alltäglichen Handeln und liefern Informationen für eine komplexe, zukunftsorientierte Unternehmensstrategie.


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Wo spielt Ökoeffizienz im Unternehmen eine Rolle? - Von der Messung zum Management



Mit Indikatoren oder Kennwerten misst man die Leistungen, die in einzelnen Unternehmensbereichen gefordert sind - seien es betriebwirtschaftliche, ökologische oder auch sozial-orientierte Messgrössen, die definiert werden müssen (Forum Umwelt und Entwicklung 1997, Eurostat 1997, GRI 1999, Kuhndt/van der Lugt 2000, Verfaillie/Bidwell 2000). Ökoeffizienz-Konzepte bedienen sich dieser Messgrössen, definieren solche für das ökologische und ökonomische Controlling bzw. Management. Sie sind damit kompatibel mit bereits angewendeten Managementsystemen im Unternehmen.

Ohne eine Messbarkeit von Fortschritten in Richtung Erhöhung der Ressourcenproduktivität bleiben Diskussionen über Nachhaltigkeit oder Ökoeffizienz ziemlich akademisch und dem Unternehmensalltag fern. Was man nicht messen kann, kann man auch nicht gestalten, managen und vergleichen. Ohne ein Mass für die Ressourcenproduktivität ist Ökoeffizienz oder Dematerialisierung nicht verlässlich durchführbar und eine nachhaltig zukunftsfähige Wirtschaft kaum erreichbar. Entscheidungsträger aller Ebenen (Unternehmen, Politik, Konsument) benötigen zuverlässige, richtungssichere, verständliche und harmonisierungsfähige, d. h. produkt- und branchenvergleichbare Informationen über die Ressourcenproduktivität und damit die ökologische Qualität von Gütern, Dienstleistungen und Technologien auf dem Markt. Dies ist eine unbedingte Voraussetzung für neue marktfähige, nachhaltigkeits- und qualitätsbezogene Innovationen.


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Ökoeffizienz - und wie geht es weiter?



Wie bereits ausgeführt, umfasst der Begriff Ökoeffizienz die beiden Bereiche Ökologie und Ökonomie. Die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung erfordert jedoch neben technologischen Veränderungen und Innovationen auch soziale Innovationen (Enquete-Kommission 1994, BUND/Misereor 1996, BMU 1998, Teichert 1996). Die sozialen Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung spielen mittlerweile eine immer stärkere Rolle. Heute ist man sich bewusst, dass ohne die Beteiligung und Mitwirkung der Bürger (sei es nun als Verbraucher, Konsument oder als Mitarbeiter eines Unternehmens) eine nachhaltige Entwicklung nicht mit Leben gefüllt werden kann. Für die Umsetzung von Ökoeffizienz-Strategien bedeutet dies, Unternehmens- und Produktionsprozesse transparent und nachvollziehbar zu gestalten, um diese nicht als leere Worthülsen zurückzulassen, sondern in die Tat umzusetzen. Zukunftsfähigkeit kann man aber einem Unternehmen oder einer Branche nicht als Programm verordnen. Zukunftsfähigkeit ist ein Lern- und Suchprozess, welcher allerdings verlässliche Instrumente braucht, die zumindest die Richtung einer zukunftsfähigen Entwicklung anzeigen können. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurden bereits unterschiedliche Konzepte entwickelt (Ewen et al. 1998, CEFIC 1998, Kuhndt/Liedtke 1999, AGPU 1999, Nattrass/Altomare 1999, ICC Nr. 210/356 A, Weaver et. al 2000). Ziel ist es, einzelne Prozesse, Prozessketten, Produkte oder auch Dienstleistungen unter Berücksichtigung ökonomischer, sozialer und ökologischer Aspekte für eine nachhaltige Bedürfnisbefriedigung zu hinterfragen, zu analysieren und ggf. zu optimieren. So wird "Zukunftsfähigkeit oder Nachhaltigkeit" umgesetzt und gelebt.

Nachhaltigkeit erfordert eine gegenseitige Unterstützung ökologischer und wirtschaftlicher Entwicklungen an der Eingangsseite des Wirtschaftszyklus, wo Ziele und Politiken festgelegt werden, und eben nicht erst am Ende, wenn die Gesellschaft bereits die Schadenkosten einer nicht-nachhaltigen Entwicklung begleichen muss. Die Dematerialisierung schafft Synergien für den Wertewandel der Gesellschaft, ganz besonders in den westlichen Ländern. Tatsächlich kann Ökoeffizienz in sich schon einen wichtigen Impuls und eine wertvolle Basis bieten für den Strukturwandel in Richtung einer innovativeren und dienstleistungsorientierteren Wirtschaftsweise. Darüber hinaus kann sie auch einem nachhaltigeren Konsum dienen, da auch für den Kauf ökoeffizienter Produkte und Dienstleistungen entsprechende Informationen überschaubar und verständlich dargestellt werden können. Auf diese Weise wird Ökoeffizienz zu einer Schlüsselkomponente in einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Entwicklung.


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Ökoeffizienzanalyse von Polystyrol-Hartschaumstoffen



von Dr. Andreas Kicherer,
Bereich Umwelt, Arbeitssicherheit und Energie/Ökoeffizienz, Ökoprofile


Seit dem Jahre 1996 untersucht die BASF ihre Produkte mittels einer im eigenen Haus entwickelten Ökoeffizienzanalyse auf ihre Zukunftsfähigkeit. Bisher wurden mit dieser Methode über 90 Verfahren und Produkte analysiert. Bei der Ökoeffizienzanalyse werden die ökologischen und die ökonomischen Aspekte in einem konkreten Anwendungsfall quantifiziert beleuchtet. Neu an der Methode ist die Analyse des gesamten Lebensweges eines Produkts. Unsere Betrachtung endet folglich nicht am Werkszaun, sondern wir beziehen die Weiterverarbeitung, den Endnutzer und sogar das Recycling mit ein. Dabei stehen die Anforderungen des Endkunden stets im Vordergrund.

Lassen Sie mich die Vorgehensweise an Hand eines konkreten Beispiels aus der Sanierung des Brunckviertels, einer Wohnsiedlung in Ludwigshafen, darlegen. Der Kunde, in diesem Fall die Luwoge, die Wohnungsbaugesellschaft der BASF, möchte die Außenwände eines bestehenden Gebäudes mit einem Wärmedämm-Verbundsystem versehen. Dabei müssen gewisse technische Vorgaben, wie z. B. ein K-Wert von 0,29 W/m2K, eingehalten werden. Diese Dämmung kann nun mit verschiedenen Systemen erreicht werden: mit herkömmlichen Materialien wie Styropor® oder Mineralfasern, aber auch mit Neopor®, einem von der BASF neu entwickelten Dämmstoff aus expandierbarem Polystyrol. Dann werden sämtliche Kosten - beginnend bei der Produktion der Dämm- und Hilfsstoffe über das Anbringen des Wärmedämm-Verbundsystems durch Handwerker an der Wand bis zum Recycling der Materialien - aus der Sicht der Wohnungsgesellschaft ermittelt. Gleiches gilt für die gesamten Umweltlasten, die sich in fünf Kategorien aufteilen: Energieverbrauch, Ressourcenverbrauch, Emission in Luft, Wasser und Boden, Toxizitätspotential sowie Risikopotential.

Diese Daten werden in einem Ökoeffizienzportfolio aufgetragen. Auf der x-Achse finden sich die Gesamtkosten, wobei die hohen Werte links aufgetragen sind, die niedrigen Werte rechts. Die y-Achse beschreibt die Umweltbelastung mit den hohen Werten unten und den niedrigen Werten oben. Sie bekommen damit ein Vier-Quadrantensystem. Die Produkte, die im oberen, rechten Quadranten platziert sind, haben eine hohe Ökoeffizienz. Sie verursachen niedrige Umweltbelastungen bei gleichzeitig geringen Kosten.


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Unten links hingegen befinden sich die Produkte mit einer geringeren Ökoeffizienz. Sie verursachen bei hohen Kosten hohe Umweltbelastungen.

Die Ökoeffizienz bewertet also die Kosten und die Umweltbelastungen gleichrangig. Je weiter die Positionierung eines Produkts rechts von der Diagonalen entfernt ist, umso ökoeffizienter ist es.

In dieses Portfolio werden die drei Möglichkeiten für das Wärmedämm-Verbundsystem eingetragen. Auf der Kostenachse können Sie erkennen, dass die Dämmung mit Steinfaser die teuerste Alternative darstellt, gefolgt von Styropor. Das neuentwickelte Neopor ist sogar insgesamt noch etwas preiswerter als Styropor. Das hängt auch mit Vorteilen beim Anbringen der dünneren Dämmplatten durch den Handwerker zusammen.

Dies ist aber nur die ökonomische Seite der Medaille. Den zweiten wichtigen Aspekt bei der Ökoeffizienzanalyse stellen die Umweltbelastungen dar. Styropor kann gegenüber der hochdichten Steinfaser schon eine deutlich geringere Umweltbelastung vorweisen. Das Neopor hat durch die höhere Dämmwirkung weitere ökologische Vorteile. Sie sehen also, dass der neuentwickelte Dämmstoff bei gleichen Kosten deutliche Umweltvorteile bringt. Der Endverbraucher muss für mehr Umweltschutz also nicht mehr bezahlen.

Die Größe der Kreise gibt den Marktanteil der verschiedenen Wärmedämm-Verbundsysteme in Deutschland an. Vor allem auf Grund des günstigen Preises konnte sich Styropor bisher als Marktführer durchsetzen. Neopor wird erst in wenigen Anwendungen eingesetzt, jedoch hoffen wir, dass sich die Marktanteile dieses ökoeffizienten Produkts erhöhen.

Sie sehen also, dass in der Anwendung Wärmedämm-Verbundsystem das ökoeffiziente Styropor durch das noch ökoeffizientere Produkt Neopor ersetzt werden kann. Obwohl damit schon ein großer Fortschritt erzielt wird, wird in der Forschung an der Weiterentwicklung von Neopor gearbeitet. Auch hier liefert die Ökoeffizienzanalyse wichtige Anhaltspunkte, in welche Richtung die weiteren Forschungsaktivitäten geleitet werden sollen. Dadurch kann das Produkt Wärmedämm-Verbundsystem noch weiter verbessert werden.


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Aktuelle Presse-Infos

24.01.2008: Neue Generation von Korkbodenbelägen der Firma Amorim mit dem BASF-Bindemittel Acrodur® ökoeffizienter als vergleichbare Bodenbeläge

23.06.2005: Erstes Kompetenzzentrum für Ökoeffizienz in Lateinamerika eröffnet

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