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09.08.2000: Umweltfreundliche Kunststoffbecher


kleiner Junge ißt Schoko-Pudding
Die Ökoeffizienzanalyse belegt: Kunststoffbecher sind umweltfreundllicher als ihr Ruf.
Von Michael Heidelbach

"Welcher Joghurt darf's denn sein, der im Plastikbecher oder der im Glas?" Obwohl Joghurt im Glas nicht selten dreimal so viel kostet, wie der in Kunststoffbechern, wird er gern gekauft. Die Kunden versprechen sich bessere Qualität und sie glauben, Glas sei umweltfreundlicher - weil wieder verwertbar. Auf die Behälter trifft das zwar zu, aber was ist mit den Reinigungsmitteln und dem Sprit für der Transport der schweren Gläser?

Die BASF ist dieser Frage in einer Ökoeffizienzstudie einmal systematisch nachgegangen und hat Umweltbelastung und sämtliche Kosten von Joghurtbechern aus unterschiedlichen Materialien miteinander verglichen. Wichtigstes Ergebnis der Studie: Kunststoffe sind fast genauso umweltfreundlich wie Glasbehälter, aber wesentlich billiger. In der Analyse wurde der gesamte Lebensweg eines 500-ml Joghurtbechers von der Produktion der Rohstoffe bis zur Entsorgung betrachtet. Bei den Pfandgläsern nahmen die Experten einen zehnmaligen Gebrauch an. Dabei ist auch der Transport entscheidend. Die Annahme: 80 Kilometer legen die Becher in ihrem Leben zurück. Wer "Südmilch"-Produkte in Flensburg kauft, ahnt, dass diese Schätzung eher vorsichtig ist.


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Dr. Uwe Blumenstein, bis vor kurzem bei der Marketingabteilung für Polystyrol (KSS/ME), hatte dieses Ergebnis in etwa erwartet. "Trotzdem ist es gut, die Ökoeffizienz der Kunststoffbecher schwarz auf weiß bestätigt zu bekommen. Denn auf diesem Gebiet gibt es noch jede Menge Vorurteile."

Pfandgläser sind zwar etwas umweltfreundlicher als Kunststoffbecher, der ausschließliche Blick auf die Ökologie führt jedoch zu einer Milchmädchenrechnung. Denn allein die Reinigung der Behälter aus Glas ist teurer als deren Produktion aus Kunststoff. Kunststoffbecher haben denn auch bei den Kosten die Nase vorn - sehr weit vorn. Sie kosten nur halb so viel wie Gläser. Nach Blumensteins Ansicht steht der geringe Umweltvorteil in keinem Verhältnis zu den höheren Kosten. "Bei teuren Premiumprodukten hat Glas auch weiterhin seine Berechtigung", sagt er, "aber wer Kunststoffbecher kauft, kann dies mit gutem ökologischen Gewissen tun. Ihr Image wird durch die Studie deutlich verbessert".

Ökoeffizienzanalysen haben eine Stärke. Mit ihnen kann man Szenarien durchspielen. Wie groß ist beispielsweise der Effekt, wenn die Pfandgläser 25 statt 10 mal benutzt werden? Die Antwort: klein. Die Auswirkungen höherer Benzinpreise wurden zwar dieses mal nicht betrachtet, können aber jederzeit nachgereicht werden. Und was es bei fünf Mark pro Liter bedeutet, einen Laster mit leeren Gläsern durch Deutschland zu schicken, kann sich jeder an zehn Fingern ausrechnen. Noch genauer geht dies jedoch mit Ökoeffizienzstudien.


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