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BASF Visual - News & Media Relations
 

Rede zur Herbstpressekonferenz 2005


BASF setzt profitables Wachstum fort
  • Umsatz (plus 11 %) und EBIT vor Sondereinflüssen (plus 13 %) gesteigert
  • Hohe Rohstoffpreise und Folgen der Wirbelstürme in den USA schmälern Ergebnis
  • Kosteneinsparziele für Nordamerika erhöht
  • Wachstumsimpulse durch neuen Standort in Nanjing
  • Ausblick für das Gesamtjahr 2005 nochmals angehoben:
       - Deutliche Steigerung von Umsatz und EBIT vor Sondereinflüssen
       - Weitere Steigerung der Prämie auf Kapitalkosten


Ausführungen von Dr. Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Vorstands der BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

Ausführungen von Dr. Kurt Bock, Finanzvorstand der BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

Ausführungen von Dr. John Feldmann, Mitglied des Vorstands der BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen


Es gilt das gesprochene Wort!


Meine Damen und Herren,

BASF hat auch im 3. Quartal 2005 ihren profitablen Wachstumskurs fortgesetzt. Dies zeigen unsere erneut verbesserten Geschäftszahlen.
Darüber hinaus haben wir wieder einige bedeutende Etappenziele erreicht auf unserem Weg, den Wert unseres Unternehmens und seine Zukunftsfähigkeit zu steigern:
  • Die Unterzeichnung eines Rahmenvertrags mit unserem Partner Gazprom zum Bau der Gaspipeline durch die Ostsee
  • Die Eröffnung unseres Verbundstandorts in Nanjing/China
  • Ein neues um 150 Millionen US-Dollar erhöhtes Kosteneinsparziel für Nordamerika

Dabei waren die Rahmenbedingungen im 3. Quartal alles andere als einfach:
  • Weiter stark steigende, teilweise Höchstwerte erreichende Rohstoff- und Energiekosten
  • Ein weiter nachlassendes Wirtschaftswachstum in Europa mit stagnierendem Konsum vor allem bei deutschen Verbrauchern
  • Die Unwetterkatastrophen im Golf von Mexiko mit Auswirkungen auf das Geschäft in ganz Nordamerika

Das BASF-Team hat diese Herausforderungen gut gemeistert. Der Kapitalmarkt erkennt unsere Leistung an. Die BASF-Aktie wurde im 3. Quartal so gut bewertet wie nie zuvor.

Zu den Zahlen: Die gute Geschäftsentwicklung des 1. Halbjahres 2005 hat sich im 3. Quartal fortgesetzt. Die saisonübliche Geschäftsabschwächung war weniger ausgeprägt als angenommen. Bei guter Nachfrage einerseits und einem hohen und sehr volatilen ölpreis andererseits konnten notwendige Preiserhöhungen nur zum Teil an den Markt weitergegeben werden.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11 % auf 10,4 Milliarden €. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 13 % auf über 1,3 Milliarden €.

Kumuliert konnte der Umsatz in den ersten neun Monaten 2005 um über 12 % auf 31 Milliarden € gesteigert werden. Dass BASF dabei profitabel wächst, verdeutlicht der Anstieg des EBIT vor Sondereinflüssen um 26 % auf 4,5 Milliarden €. Für diese tolle Leistung geht mein Dank an das gesamte BASF-Team weltweit.


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Optimistischer Ausblick für das Gesamtjahr 2005



Wie geht es weiter? Die Nachfrage nach unseren Produkten liegt auf unverändert hohem Niveau. Die nochmals gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten erzeugen weiterhin Druck auf die Margen. Für das Gesamtjahr 2005 erwarten wir eine deutliche Steigerung von Umsatz und EBIT vor Sondereinflüssen im Vergleich zum bereits sehr guten Vorjahreswert. Die Prämie auf die Kapitalkosten werden wir damit weiter verbessern.

Das gute Ergebnis des 4. Quartals des Vorjahres wird die BASF im 4. Quartal 2005 voraussichtlich nicht erreichen können. Die Hauptgründe dafür sind:
  • Ergebnisbelastungen durch Produktionsausfälle infolge der Wirbelstürme in den USA in Höhe von voraussichtlich 120 Millionen €
  • Wegfall der Erträge des Vorjahresquartals in Höhe von 80 Millionen € aus dem Marktwertansatz von Derivaten in Zusammenhang mit dem schwächeren US-Dollar


Kurt Bock wird Ihnen nun die Entwicklung des 3. Quartals näher erläutern.


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[Ausführungen Dr. Kurt Bock]

Meine sehr geehrten Damen und Herren

[Chart 1]

Das profitable Wachstum wird auch durch die Entwicklung der Schlüsselgrößen unserer Gewinn-und-Verlust-Rechnung deutlich. Was genau verstehen wir darunter?


Erstens: Der Umsatz legte auch im 3. Quartal 2005 mit zweistelliger Wachstumsrate gegenüber Vorjahr zu und erreichte zum dritten Mal in Folge einen Wert von über 10 Milliarden €. Für die ersten neun Monate dieses Jahres belief sich der Umsatz auf rund 31 Milliarden €.


Zweitens: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, betrug vor Sondereinflüssen 1.327 Millionen €. Das sind 155 Millionen € mehr als im Vorjahresquartal. Kumuliert erzielten wir per September ein um 934 Millionen € besseres Ergebnis als im Vergleichszeitraum.


Drittens: Nach Steuern und Anteilen Dritter betrug das Ergebnis 808 Millionen €: Das ist mehr als das Doppelte des Vorjahresquartals, in dem 366 Millionen € erzielt worden waren. Hier wirkt sich unter anderem der im Finanzergebnis ausgewiesene steuerfreie Veräußerungsgewinn aus der Beteiligung an Basell aus. Per September 2005 übersteigt das Ergebnis nach Steuern mit 2,5 Milliarden € den guten Wert des Gesamtjahres 2004 bereits um fast eine halbe Milliarde €.

[Chart 2]

Der Umsatzanstieg ist auf notwendige und zum Teil überfällige Preiserhöhungen in allen Chemie-Segmenten zurückzuführen. Wir reagierten damit auf die stark gestiegenen Rohstoffpreise, die per September dieses Jahres bereits zu Mehraufwendungen von über einer Milliarde € führten und sich im Anstieg der Herstellkosten reflektieren. Zudem trugen der massiv gestiegene ölpreis und der in Summe stärkere Absatz unserer Produkte, insbesondere im Bereich Petrochemikalien, zum Umsatzanstieg bei.

[Chart 3]

Hervorzuheben ist, dass im sechsten Quartal in Folge eine gleichzeitige Preis- und Mengensteigerung gelang. Erstmals seit Anfang 2002 trägt auch der Wechselkurseffekt zu einer - wenn auch geringfügigen - Umsatzverbesserung bei.

Nach Sondereinflüssen in Höhe von 65 Millionen € betrug das EBIT im 3. Quartal 2005 1.262 Millionen €, eine Steigerung um 17 %. Die Sonderbelastungen liegen in ihrer Höhe auf dem Niveau der Vorquartale und betreffen Maßnahmen zur Restrukturierung und Effizienzsteigerung an mehreren Standorten. Bei weiterer Konkretisierung der entsprechenden Maßnahmen im laufenden Quartal werden die Sondereinflüsse - wie üblich - den Segmenten verursachungsgerecht zugeordnet werden.


Das Finanzergebnis verbesserte sich um 303 Millionen € auf 176 Millionen €. Dies ist zu rund zwei Drittel auf den Sonderertrag aus der am 1. August 2005 abgeschlossenen Veräußerung der Beteiligung an Basell zurückzuführen.

Neben dem Beteiligungsergebnis verbesserte sich auch das im Finanzergebnis enthaltene Zinsergebnis auf Grund der geringeren durchschnittlichen Nettoverschuldung sowie das übrige Finanzergebnis auf Grund gestiegener Marktwerte der zur Zins- und Währungssicherung eingesetzten Derivate.

Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter verbesserte sich infolge des gestiegenen Finanzergebnisses und der im Vergleich zum Vorjahresquartal niedrigeren Steuerquote überproportional. Die Steuerquote im 3. Quartal 2005 liegt mit 43 % auf einem für BASF normalen Niveau. Sie enthält zwei gegenläufige Effekte:

Erstens einen signifikanten Anstieg der an den Ölpreis gekoppelten nicht anrechenbaren ölfördersteuern um 120 Millionen € auf 317 Millionen € und zweitens die erwähnten steuerfreien Veräußerungserträge im Finanzergebnis. Bereinigt um diese beiden Effekte liegt die Steuerquote bei 34 % und damit recht genau auf Niveau der Werte der vorangegangenen Quartale.

Die Verbesserung des Ergebnisses je Aktie von 67 Cent auf 1,55 € ist zudem eine Folge unseres konsequent fortgeführten Aktienrückkaufs und der damit verbundenen reduzierten Anzahl ausstehender Aktien.


Noch kurz zur Bilanz: Gegenüber dem Jahresabschluss 2004 stieg die Bilanzsumme im 2,8 Milliarden € auf 38 Milliarden €. Dies ist im Wesentlichen durch den Anstieg der Geld und Geldanlagen auf 4,3 Milliarden € sowie einer Zunahme der Vorräte bedingt. Dem stand vor allem ein Rückgang bei den Beteiligungen auf Grund der Basell-Devestition gegenüber.

Die Vorratserhöhung gegenüber Jahresende ist im Wesentlichen auf die deutliche Geschäftsausweitung zurückzuführen. Die Lagerreichweite, unsere wesentliche Ziel- und Steuerungsgröße bei Vorräten, konnte sowohl gegenüber dem 3. Quartal 2004 als auch gegenüber dem Jahresende 2004 leicht reduziert werden.

Den komfortablen Liquiditätsbestand werden wir - wie am 17. Oktober kommuniziert - zum Teil umwidmen, indem wir zum Jahresende 3,7 Milliarden € in ein sogenanntes Contractual Trust Arrangement, kurz CTA, einbringen und damit den Großteil unserer Pensionsverpflichtungen extern finanzieren werden. Die in der Bilanz der BASF-Gruppe ausgewiesene Position Geld- und Geldanlagen sowie die Pensionsrückstellungen werden sich entsprechend reduzieren.

Kurz zu den wesentlichen Punkten dieser finanzwirtschaftlichen Optimierungsmaßnahme:

Erstens: Die internationale Vergleichbarkeit unserer Finanzberichterstattung wird verbessert. Zweitens: Unsere Bilanzstruktur wird optimiert, die finanzwirtschaftliche Transparenz erhöht. Drittens: Der operative Cashflow der kommenden Jahre wird positiv beeinflusst. Und zuletzt – und dies um allen möglichen Missinterpretationen vorzubeugen: alle Möglichkeiten zur Wahrnehmung strategischer Optionen, wie Akquisitionen oder Investitionen, bleiben unverändert bestehen. Aktienrückkäufe sowie die aktionärsorientierte Dividendenpolitik werden wir fortsetzen. Die Ratingagenturen haben gerade unser exzellentes Finanz-Rating bestätigt. Seit Dienstag letzter Woche sind wir im ü brigen das einzige Chemieunternehmen weltweit mit einem Rating von AA beziehungsweise Aa3.

[Chart 4]

Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit liegt bei 4.010 Millionen € und damit, auf Grund des guten Ergebnisses nach Steuern, um 225 Millionen € über dem bereits guten Vorjahreswert.


Im Nettoumlaufvermögen kam es per September erneut zu einer Mittelfreisetzung, die vollständig dem vergangenen Quartal zuzurechnen ist. Insbesondere trug der Rückgang an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf Grund unseres konsequent verbesserten Kreditmanagements dazu bei. Dies spiegelt sich auch deutlich im Rückgang der durchschnittlichen Außenstandsdauer der Forderungen von 59 auf 54 Tage im 3. Quartal 2004 gegenüber Vorjahresquartal wider.

[Chart 5]

Übrige Posten enthalten die Veräußerungsgewinne aus Devestitionen, die aus dem operativen Cashflow herausgerechnet und dem Cashflow aus Investitionstätigkeit zugeordnet sind.

Die Investitionsausgaben lagen per September mit 1.285 Millionen € unter denen des Vorjahres und - wie angestrebt - unterhalb der korrespondierenden Abschreibungen.

Aus den vorgenommenen Devestitionen und Akquisitionen erfolgte per Saldo ein Mittelzufluss in Höhe von 1.017 Millionen €. Für Aktienrückkäufe und Dividenden haben wir per September 2005 in Summe Auszahlungen von rund 2,1 Milliarden € vorgenommen, ein Zeichen unserer Finanz- und Ertragskraft sowie des Bestrebens, unsere Aktionäre daran zu beteiligen.

Auf Grund dieser Entwicklungen und Maßnahmen kam es in den ersten neun Monaten dieses Jahres zu einem Netto-Mittelzufluss in Höhe von rund 2 Milliarden €.

Zum aktuellen Stand unseres Aktienrückkaufprogramms: Im 3. Quartal haben wir Aktien im Wert von 250 Millionen € zurückgekauft. Von Januar bis Ende Oktober 2005 (Stichtag: 27. Oktober 2005) haben wir für 1.228 Millionen € eigene Aktien zurückgekauft, und zwar zu einem durchschnittlichen Kurs von 54,24 €. Damit haben wir seit Beginn des Programmes im Jahr 1999 rund 19,3 % unserer Aktien zurückgekauft.

[Chart 6]

Wie gewohnt, noch kurz ein Blick auf die Entwicklung der BASF-Aktie seit Beginn des Jahres im Vergleich mit den entsprechenden Indizes. Die prozentuale Entwicklung des sogenannten Total Return können Sie dem Chart entnehmen.

Etwas ausführlicher: Hätten Sie zu Jahresbeginn 10.000 € in BASF-Aktien investiert, hätten Sie heute BASF-Aktien im Wert von 11.387 € in Ihrem Portfolio. Ein Wert, der sich durchaus sehen lassen kann.

Meine Damen und Herren,

wir stellen höchste Anforderungen an die Transparenz unserer Berichterstattung, um unseren Aktionären und nicht zuletzt auch Ihnen gerecht zu werden. Dieses Bestreben wurde in diesem Jahr unter anderem dadurch anerkannt, dass BASF vom Manager Magazin als Unternehmen mit dem besten Finanz- und Geschäftsbericht 2004 in Deutschland ausgezeichnet worden ist. Sie sehen, sowohl die Zahlen als auch die Art ihrer Präsentation stimmen bei BASF. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Zur Erläuterung der einzelnen Segmente gebe ich zurück an Jürgen Hambrecht.



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[Fortsetzung Ausführungen Dr. Jürgen Hambrecht]


Die ausführliche Segmentberichterstattung liegt Ihnen mit dem aktuellen Zwischenbericht vor. Deshalb beschränke ich mich wie immer auf einige Highlights.

Durch gestiegenen Absatz aus unseren neuen Anlagen in Nanjing/China und den Ausbau des Elektronikchemikalien-Geschäftes erhöhten wir im Segment Chemikalien den Umsatz auf einen neuen Rekordwert von über 2 Milliarden €. Gesunkene Quartalspreise bei Olefinen insbesondere in Europa bei gleichzeitig gestiegenen Naphtha-Kosten drückten bei Petrochemikalien stark auf die Margen. Hinzu kommen Belastungen im 3. Quartal durch Betriebsunterbrechungen in unseren nordamerikanischen Großanlagen infolge der Wirbelstürme. Das EBIT vor Sondereinflüssen verringerte sich deshalb um 27 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Im Segment Kunststoffe konnte der Umsatz durch gestiegene Verkaufspreise bei Polyurethanen und die Absatzausweitung bei Performance Polymers erhöht werden. Die deutliche Steigerung des EBIT vor Sondereinflüssen ist vor allem Folge des verbesserten Polyurethan-Geschäfts.

Trotz der Devestition des Geschäfts mit Drucksystemen im November 2004 konnten wir den Umsatz im Segment Veredlungsprodukte um 2% ausweiten. Das EBIT vor Sondereinflüssen erreichte das Niveau des Vorjahres. Das fortgeführte Geschäft liegt damit über Vorjahr.

Im Segment Pflanzenschutz und Ernährung lagen Umsatz und Ergebnis des Bereichs Pflanzenschutz im 3. Quartal leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Ausbreitung des Sojarosts in Nordamerika war weniger stark als erwartet. Der Absatz war leicht rückläufig. Die Forschungsaufwendungen des Bereichs haben wir gezielt erhöht. In Südamerika ist das Geschäft gut in die neue Saison gestartet.


Der Bereich Feinchemie litt weiterhin unter dem enormen Preisdruck bei den wichtigen Produkten Lysin und Vitamin C mit negativen Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Nochmals gestiegene Rohstoffkosten belasteten zusätzlich die Ertragslage.

Der Umsatz im Segment Öl und Gas stieg mit +40 % am stärksten. Sowohl der hohe Ölpreis und die höheren Fördermengen in der Exploration als auch die deutliche Ausweitung des Erdgashandels haben dazu beigetragen. Warum das Ergebnis dagegen nur um 29 % verbessert werden konnte, wird Ihnen nun Dr. Feldmann im Detail erläutern.


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[Ausführungen Dr. John Feldmann]

Im Erdgashandel haben wir im 3. Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal überwiegend durch den Ausbau unserer Auslandsaktivitäten eine Mengensteigerung von knapp 5 % erzielt. Vor allem preisbedingt stieg der Umsatz um insgesamt fast 40 %.

Das EBIT im 3. Quartal beträgt jedoch lediglich 22 Millionen € im Vergleich zu 88 Millionen € im Vorjahresquartal. Auch wenn man einen einmaligen und hohen positiven Ertrag im Vorjahr herausrechnet, der durch die einvernehmliche Beendigung eines Schiedsgerichtsverfahrens entstanden ist, ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend.

[Chart 1, Dr. Feldmann]

Dies mag vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion zum Thema Gaspreise überraschen. Wie ist diese Entwicklung zu erklären?


Heute importieren die Staaten der Europäischen Union 50 % ihres Gasbedarfs. Bis 2015 wird dieser Anteil auf 75 % ansteigen. Hauptbezugsquellen sind Russland, Norwegen und Nordafrika. WINGAS importiert heute etwa 70 % des gehandelten Gases aus Russland, dem Land mit den größten nationalen Gasreserven der Welt. Wir haben zur Sicherung unserer Absatzmengen langfristige Lieferverträge, überwiegend bis 2030, geschlossen. Für solche Verträge braucht man Orientierungsgrößen für die jeweiligen Preisformeln.

Kopplung des Gaspreises an Ölpreise ist sinnvoll und logisch

Da Öl und Gas in ihren wesentlichen Nutzungen im Wettbewerb stehen und Öl eine weltweit an Warenbörsen gehandelte Commodity ist, ist eine Kopplung der Gaspreise an den Ölpreis sinnvoll und logisch. Darüber hinaus sind wir uns sicher, dass wir in enger werdenden Märkten und im zunehmenden Wettbewerb um die Ressource Gas mit einer Orientierung am Ölpreis die bessere Alternative haben. Die wenigen Länder, die heute und in der Zukunft die Welt mit Gas versorgen, sehen ebenfalls in der Ölpreisbindung eine sinnvolle und notwendige Orientierung für langfristige Verträge. Und es sind diese Länder, die die Regeln des globalen Gasgeschäftes maßgeblich beeinflussen.

[Chart , Dr. Feldmann]

Auf der Einkaufsseite ist nach unseren Verträgen der Verlauf der durchschnittlichen Ölpreise der letzten 9 Monate maßgeblich. Ein Blick auf die Ölpreisentwicklung der letzten 35 Jahre zeigt, dass der nominale Ölpreis in jüngster Zeit außerordentlich volatil und stark gestiegen ist. Damit sind auch unsere Importpreise für Erdgas gestiegen. Beachten Sie dabei aber bitte auch, dass real, d.h. auf Basis 2004 gerechnet, der Ölpreis heute noch deutlich unter dem Preis von 1980 liegt.


Wie sieht demgegenüber die Situation auf der Verkaufsseite aus?


Seit wir Anfang der 90er Jahre mit WINGAS, dem Joint-Venture zwischen Gazprom und Wintershall, in den Erdgashandel eingetreten sind, haben wir unseren Kunden flexible Verträge angeboten. Das betrifft die Laufzeiten, aber auch die Preisfindung. Unsere Kunden sind dabei keine privaten Haushalte, sondern Kraftwerksbetreiber, Industrieunternehmen sowie Regional- und Kommunalverteiler.

WINGAS-Kunden überwiegend für Ölpreisbindung



Wir offerieren Mischformeln, die neben einer Ölpreisbindung auch eine Orientierung an Spotmärkten, wie z. B. in Zeebrügge/Belgien, oder Festpreisformeln einschließen. Unsere Kunden haben sich jedoch überwiegend für eine Ölpreisbindung als wesentliche Preiskomponente entschieden. Anders als für uns auf der Einkaufsseite werden hierbei aber die Durchschnittspreise des vor dem 3 Monate zurückliegenden Halbjahres verwendet.

Das bedeutet für uns in Phasen steigender Ölpreise, dass wir auf der Einkaufsseite eine Referenzperiode mit deutlich höheren Durchschnittspreisen als auf der Verkaufsseite haben. Wir müssen deshalb in einer langen Phase stetig steigender Durchschnittspreise für Öl mit schrumpfenden Margen im Erdgashandel leben. Bei einer Stabilisierung der Ölpreise wird sich dieser Trend auflösen, bei fallenden Ölpreisen wird sich der Margeneffekt umkehren.

Trotz dieses im Moment für uns ungünstigen Effektes befürworten wir grundsätzlich den Mechanismus der Gas-Ölpreisbindung, da dieser langfristig eindeutige Vorteile für alle Beteiligten bietet.

[Chart 3, Dr. Feldmann]

Deutlich wird das beim Blick auf Märkte, in denen der Gaspreis auf der Verkaufsseite nicht an den Ölpreis gekoppelt ist. Großbritannien und die USA sind entsprechende Beispiele. Dargestellt ist der Preis, den Importeure und Produzenten erzielen können, d. h. der Preis vor Transport, Speicherung und Verteilung an die Endverbraucher. Vor allem Großbritannien hatte in der Vergangenheit häufig niedrigere Gaspreise als Deutschland. Sowohl Großbritannien als auch die USA waren autark in ihrer Gasversorgung. Das ist heute nicht mehr der Fall. Großbritannien und die USA sind inzwischen Gasimporteure, deren Handel sich an Spotmarktpreisen orientiert. Das erklärt die aktuell weitaus höheren Gaspreise in beiden Märkten. Demgegenüber hat das Modell der Ölpreisbindung im deutschen Gasmarkt einen aktuell vergleichsweise niedrigeren Importpreis gebracht.

[Chart 4, Dr. Feldmann]

Wie verhält sich nun der Importpreis zum Gaspreis für Haushaltskunden?

Unserem Chart können Sie entnehmen, dass der Gasimportpreis im 1. Halbjahr 2005 weniger als ein Drittel zum Gaspreis für Haushaltskunden beigetragen hat. In der gleichen Größenordnung liegt aber auch der Anteil von Steuern und Abgaben. Die Leistungen für Speicherung, Transport und Verteilung machen etwa 40 % des aktuellen Preises aus. Das zeigt, dass man zur Beurteilung des aktuellen Gaspreises nicht allein die Ölpreisbindung heranziehen darf.

Wir sind überzeugt, dass Wettbewerb im europäischen Gashandel ein wesentlicher Schlüssel zu einer für alle Beteiligten fairen Preisgestaltung ist. Fehlender Wettbewerb im deutschen Gashandel hat uns vor 15 Jahren veranlasst, gemeinsam mit Gazprom den Wettbewerb im deutschen Gashandel zu eröffnen. Wir unterstützen deshalb seit jeher die Bemühungen, Wettbewerbsbeschränkungen aufzuheben.

Wir haben den Gashandel von unserem Transportgeschäft getrennt. Unser Gashandel bietet seinen Kunden entsprechend den individuellen Bedürfnissen Verträge mit flexibler Preisgestaltung sowie Laufzeiten an. Gleichzeitig bietet unser Transportbereich interessierten Dritten Pipelinekapazitäten zu wettbewerbsfähigen Konditionen. BASF ist mit ihrer Tochter Wintershall und ihrem Partner Gazprom ein wesentlicher Treiber für Wettbewerb im Gashandel und leistet einen Beitrag zur sicheren Gasversorgung in Westeuropa.


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[Fortsetzung Ausführungen Dr. Jürgen Hambrecht]


Wir setzen uns in allen Regionen anspruchsvolle Ziele



In allen Regionen erzielte die BASF im 3. Quartal 2005 ein Umsatzwachstum. Dabei war die Dynamik in Asien hoch, die Konjunktur in Nordamerika trotz der Wirbelstürme robust. Dagegen war die Binnenkonjunktur in Teilen Europas schwach, insbesondere in Deutschland. Details dazu im aktuellen Quartalsbericht. Ich möchte deshalb nur einige strategische und operative Hinweise geben:

In Europa wollen wir auch in den kommenden Jahren deutlich stärker als der Markt wachsen. Das gilt für Westeuropa mit seinem eher geringen Wachstum von gut 2 % ebenso wie für Osteuropa mit seiner sehr viel stärkeren Dynamik. Vor kurzem haben wir Ihnen die wesentlichen Maßnahmen im Detail vorgestellt:
  • Investitionen von rund einer Milliarde € jährlich. Stichworte:
    Bau der Ostseepipeline, Erschließung neuer Gasfelder in Sibirien sowie Bau einer HPPO-Anlage in Antwerpen.
  • Intensivierung der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Dazu werden wir beispielsweise unser breites Know-how stärker bündeln und Produkte und Lösungen für eine komplette Branche anbieten. In der Automobil- und Papierindustrie tun wir das bereits, für die Bau- und Verpackungsindustrie bauen wir das auf.
  • Durch ständige Effizienzsteigerungen in Produktion, Infrastruktur, Service und Vertrieb wollen wir über unsere jährlichen Kosteneinsparungen hinaus profitables Wachstum sicherstellen.

In Nordamerika tragen unsere erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen weiter Früchte. Das belegt die Steigerung des EBIT vor Sondereinflüssen um 25 % auf 110 Millionen €, und dies trotz der Wirbelstürme im Golf von Mexiko. Die Schäden an unseren Anlagen waren dabei vergleichsweise gering. Dagegen fallen Produktionsausfälle durch Anlagenschließungen bei uns, unseren Lieferanten und Kunden stärker ins Gewicht. Insgesamt beziffern wir heute die Ergebnisbelastungen mit voraussichtlich 140 Millionen €. 20 Millionen davon sind im 3. Quartal angefallen und 120 Millionen werden das Ergebnis im 4. Quartal belasten.

Durch neue Technologien, schlankere Produktionsprozesse und einfachere Geschäftsabläufe haben wir unsere Kosten 18 Monate schneller als erwartet um 250 Millionen US-Dollar pro Jahr verringert. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen haben wir zudem weitere Einsparpotenziale in Höhe von zusätzlichen 150 Millionen US-Dollar pro Jahr definiert, die wir bis Mitte 2007 erschließen wollen. Dafür werden Einmalkosten in Höhe von etwa 80 Millionen US-Dollar anfallen. Ab 2007 werden wir dann durch diese Maßnahmen in Nordamerika pro Jahr 400 Millionen US-Dollar geringere Kosten haben.

Konkret werden wir die Konsolidierung unseres Geschäfts weiter vorantreiben und Standorte in Enka/Northcarolina, Aberdeen/Mississippi und Portsmouth/Virginia schließen. Deren Kapazitäten werden durch neue und erweiterte Anlagen an unseren Verbundstandorten in Texas und Louisiana ersetzt. Auf diese Weise erschließen wir uns zusätzliche Verbundvorteile.

Darüber hinaus haben wir Schritte eingeleitet, mit denen wir unser EBIT bis Ende 2007 zusätzlich um jährlich 200 Millionen US-Dollar erhöhen wollen. Im Rahmen unseres sogenannten Commercial-Effectiveness-Programms wollen wir unsere Vermarktung effizienter gestalten, d. h. Komplexität aus unserem Geschäft herausnehmen. Dabei passen wir Preisstrukturen, Logistik, Lagerhaltung und Geschäftsmodelle den veränderten Marktbedingungen an. Wir werden uns mit diesem Programm vor allem auf Arbeitsgebiete konzentrieren, in denen wir unseren Kunden den höchsten Zusatznutzen bieten können.

Gleichzeitig werden wir auch in den kommenden Jahren mit kontinuierlichen Investitionen an unsere bislang erreichten Erfolge in Nordamerika anknüpfen.

Unsere Ziele für Asien haben wir anlässlich der Inbetriebnahme des Standorts Nanjing/China bekräftigt. Nanjing ist für uns das Eintrittstor zur derzeit dynamischsten Wachstumsregion. Bis 2010 wollen wir 20 % von Umsatz und Ergebnis unseres Chemiegeschäfts in Asien erwirtschaften, die Hälfte davon allein im dynamischen Markt China. Insbesondere die neuen Kapazitäten in Nanjing und Caojing werden dazu beitragen. Nanjing hat sich seit der Inbetriebnahme im Juni äußerst erfreulich entwickelt und schreibt voraussichtlich bereits zum Jahresende schwarze Zahlen. Deshalb werden wir Nanjing als Verbundstandort weiter ausbauen.

Um die hohe Nachfrage nach Chemieprodukten in Asien zu decken, werden wir zusätzlich weiterhin hochwertige Chemikalien und Polymere vorwiegend aus unseren europäischen Anlagen nach Asien liefern. Das sichert Arbeitsplätze auch in unserem Heimatmarkt.

Jetzt Gas geben in Deutschland



Die chemische Industrie braucht ein innovationsfreundliches Klima, mehr Mut zur Zukunft und verlässliche, zukunftsfähige Rahmenbedingungen.

Es reicht nicht aus, nur einzelne Stellschrauben ein bisschen zu justieren. Wir benötigen umfassende Reformen für mehr Bildung, mehr Wachstum
und Investitionen. Das sind die entscheidenden Weichen für mehr Beschäftigung. Daher unser Appell an alle Beteiligten vor allem in der Politik: "Jetzt Vollgas geben für mehr Wissen, mehr Innovation und mehr Zukunft."

Wir bekennen uns ausdrücklich zum Standort Deutschland. Hier wollen wir weiterhin wettbewerbsfähige Produkte entwickeln und produzieren. Das machen wir heute wie morgen aus eigener Kraft. Wir benötigen keinen protektionistischen Schutz vor globalen Wettbewerbern. Was wir dagegen unbedingt brauchen, sind faire Wettbewerbsbedingungen und eine Politik, die endlich ihre Innovations- und Investitionsbremsen löst. Deshalb appelliere ich heute eindringlich für eine praktikable Chemikalienverordnung REACH, eine integrale wettbewerbsfähige Energiepolitik und zukunftsorientierte Gentechnikgesetzgebung. Die Wettbewerber auf den Weltmärkten warten nicht auf uns.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.




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